Valentin (Veit) Krämer

vulgo Veitgen

Romsthal bei Salmünster

Krämer wurde 1790 zu Romsthal im Fuldischen [bei Salmünster] geboren und ist ein Sohn von Albert Krämer [vulgo Zunder-Albert], der ihn schon früh in die Diebes-Mysterien einweihte. Schon in seinem 15 bis 16 Lebensjahre wurde er von seinem Vater zu Einbrüchen mitgenommen und teilte mit ihnen die Beute. Seine rechte Mutter ist tod; seine damalige Stiefmutter oder vielmehr die zweite Beischläferin seines Vaters war die sogenannte Fulder-Ließ. Sie war mit Veits jüngstem Bruder auch in Heidelberg verhaftet und zugleich die Mutter der Beischläferin des Veits, Eva Selser.

Er wurde bald eines der ersten Mitglieder der Vogelsberger Bande, ward jedoch schon in einem Alter von 22 Jahren im Großherzoglich Hessischen verhaftet, nach Heidelberg ausgeliefert und daselbst mit mehreren seiner Raubgenossen am 31. Juli 1812 mit dem Schwert hingerichtet.[2], [3]

Sein Vater saß zum Zeitpunkt seiner Hinrichtung auch seit mehreren Jahren in Würzburg ein. Er liebte übrigens sehr den Branntwein und hat gewöhnlich das, was er durch Straßenraub und Einbruch erwarb, mit seinen Genossen versoffen, ohne den Seinigen etwas Bedeutendes davon zu geben…

Veit Krämer

Straßenräubereien

Straßenraub zwischen Hemsbach und Laudenbach 
Beraubung des Handelsmann Schlink von Bensheim 
Beraubung der Bauernwagen bei Frankfurt 
Straßenraub beim Bastelshof 
Straßenraub bei Lohr 
Straßenraub im Königsteiner Walde 
Straßenraub bei Heubach 
Straßenraub an einem Fußgänger bei Gelnhausen 
Straßenraub bei Vilbel 
Beraubung der Metzger im Königsteiner Wald 
Straßenraub bei Hauswurz 
Straßenraub zwischen Düdelsheim und Hainchen 
Straßenraub bei Lich 
Straßenraub bei Steinau 
Straßenraub zwischen Rommelshausen und dem Pfaffenhof 
noch ein Straßenraub bei Königstein

 

Veit Krämer

Einbrüche und Diebstähle

Einbruch zu Neunkirchen 
Kleiderdiebstahl zu Wüstwilleroth 
Diebstahl zu Oberschönmattenwag 
Einbruch bei einer Frau in Kleestadt 
Dürrfleischdiebstahl zu Walldürn 
Einbruch zu Düdelsheim 
Dürrfleischdiebstahl zu Buchenberg 
Diebstahl zu Dürrenzimmern 
Diebstahl zu Worzell oder Niederzell, Amte Steinau 
Bettdiebstahl in der Wetterau 
Diebstahl von Branntweinbrennereizeug zu Hetzlos 
Diebstahl zu Eichenried im Fuldischen 
Einbruch zu Grumbach 
Diebstahl zu Schanderfeld 
Diebstahl zu Breitenbach 
Entwendung eines Branntweinkessels zu Sprendlingen 
Zinndiebstahl zu Langstadt 
Diebstahl zu Waldfenster 
Diebstahl zu Wernerts 
Diebstahl zu Bonnland 
Diebstahl der Branntweinkesselhüte zu Heubach 
Einbruch zu Eppertshausen 
Attentierter Dürrfleischdiebstahl auf dem Neuhof bei Hanau 
Einbruch zu Alzenau 
Einbruchzu Hainstadt bei Breuberg 
Diebstahl zu Keuchen Amts Büdesheim 
Einbruch zu Scherning 
Attentierter Einbruch zu Brombach 
Einbruch zu Steinheim in der Wetterau 
Einbruch zu Rommelshausen 
versuchter Einbruch in die Meisterei bei Hanau 
versuchter Diebstahl zu Herchheim


Nach dem Raubüberfall in Hemsbach kam es zu einer grenzüberschreitenden Fahndung in Baden und Hessen, in deren Verlauf der Kern der Bande sowie viele andere Gauner gefangen genommen wurden. Das gefasste Bandenmitglied Veit Krähmer nannte bei den Verhören in Heidelberg wiederholt und beharrlich die fünf Mitschuldige an dem Überfall. Zu Veit Krähmers Charakter gehörte, dass er nichts verschweigen konnte, wenn man mit ihm über seine Lebensweise oder Räuberkameraden sprach. Der geschwätzige Veit Krähmer genoss es, dass sich seine in verschiedenen Heidelberger Gefängnissen sitzenden Räuberkameraden ihre Köpfe zerbrachen, um zu erraten, wer von ihnen wohl was über sie ausgesagt hatte. Bei seinen Geständnissen zeigte er keine Reue und keinen Vorsatz zur Besserung.

Veit Krämer wurde am 31. Juli 1812 kurz nach 12 Uhr auf dem Marktplatz in Heidelberg öffentlich zum Tod verurteilt (gemeinsam mit SchützLang und Österlein). Danach transportierte man die vier weißgekleideten zum Tode verurteilten Männer auf dem Schandkarren durch die Hauptstraße zum Richtplatz vor der Stadt, wo sie auf dem Schafott des Scharfrichters ihr Leben verloren. Die Leichen gelangten ins Anatomische Institut der Universität Heidelberg.

 

 


Quellen:
[2] PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch die Geschichte der Beraubung und Ermordung des Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf der Bergstraße 
[3] SCHWENCKEN, KARL PHILIPP: Aktenmässige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabundengesindel. Sowie von einzelnen professionierten Dieben, in den Ländern zwischen dem Rhein und der Elbe, nebst genauerer Beschreibung ihrer Person Original gedruckt in der Hampeschen Buchdruckerey, Cassel, 1822; Seite 564 Nr. 48