Outback

Australien

... mit dem 4WD auf dem Oodnadatta Track ins Rote Zentrum von Australien

Dienstag, 8. Okober 2013 - Von Adelaide ins Outback ;-) (335km)

Als Outback werden australische Regionen bezeichnet, die fernab der Zivilisation liegen. Es umfasst beinahe drei Viertel der Fläche Australiens und erstreckt sich hauptsächlich über das Northern Territory und Western Australia sowie Teile von Queensland, New South Wales und South Australia. Ich hab mal gelesen, dass für die Australier das Outback gleich nach der Stadtgrenze beginnt.

Um 10 Uhr sind wir am Sir Donald Bradman Drive und nehmen unseren Toyota Landcruiser Workmate 4x4 in Empfang. Die Übergabe bei Britz verläuft problemlos, es gibt sogar ein deutsches Video zur Einweisung und auf Nachfrage bekommen wir auch noch einen Kompressor und eine Markiese (die wir nie gebraucht haben) kostenlos dazu - das Team ist sehr freundlich und wirklich bemüht.

CamperVan Hire Adelaide 
376 Sir Donald Bradman Drive
Brooklyn Park, South Australia 5032
Web: http://www.britz.com.au/adelaide-campervan-hire

Nachdem wir unser Gepäck im "Bushi" verstaut haben rollen wir vom Platz und steuern den nächsten Supermarkt an. Hier decken wir uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage ein. Es macht Spaß hier einzukaufen, denn hier finden wir wirklich alles was wir benötigen. Vielleicht wird das in ein paar Tagen ganz anders sein? Trinkwasser ist wichtig - und kaufen es in praktischen 10l Kartons.

Woolworths
Cnr Burbridge Rd & Bagot Avenue
Cowandilla, 1.5km east of the branch, open Mon-Sat

Colin und Heather bringen uns noch bis an die Stadtgrenze von Adelaide und dann verabschieden wir uns voneinander. Ab jetzt sind wir auf uns allein gestellt und rollen Richtung Outback ;-) Bald gibt es keine Ampeln mehr, die Straße wird gerader und Häuser verschwinden.

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Nach einem kurzen Stop in Port Pirie machen wir Fahrerwechsel und Katrin übernimmt jetzt das Lenkrad. Dann kann ich in Ruhe Fotos machen.
Am Abend kommen wir in Quorn an. Wir müssen uns erst einmal an das "System" gewöhnen - powered oder unpowered - wo ist das Wasser, wo der Strom, wo steht die Nummer unseres Platzes - aber alles ok und ganz easy. Wir kommen auch schnell ins Gespräch mit unseren Nachbarn und erfahren vieles, was wir unbedingt machen müssen und was wir besser nicht machen sollen - ein bisschen halten wir uns auch an die Ratschläge und planen unsere Route danach. Und hier sehen wir zum ersten Mal den Sternenhimmel - whow - was für ein Erlebnis. Zum Glück mache ich die ersten Fotos - welche dann auch die letzten von der Milchstraße waren.

Quorn Caravan Park
8 Silo Rd, Quorn SA 5433, Australia
http://www.quorncaravanpark.com.au

Erklärung: Wir haben zunehmenden Mond. Bei all der genauen Planung hab ich die Mondphasen außer Betracht gelassen. Und so kommen wir mit zunehmenden Mond ins Outback - und sehen - NICHTS. Der Mond ist so hell, dass alle Versuche, den Sternenhimmel zu fotografieren scheitern. Wir sehen Sternbilder auf dem Kopf (Orion's Schwert ragt in den Himmel) und die Magellanschen Wolken - aber die Aufnahmen, die ich machen wollte, kann ich vergessen.
PS: Für Neuseeland 2016 haben wir die Reise aus diesem Grund um 2 Wochen verschoben. Wir kommen bei Vollmond an und werden die mondlosen Nächte in der Mitte unserer Tour erleben - natürlich auch nur, wenn das Wetter es erlaubt ;-)

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Mittwoch, 9. Okober 2013 - Quorn - Wilpena Pound Resort (120km)

Nach einem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg. Hier brauchen wir uns keine Gedanken übers Wetter zu machen - die Sonne scheint immer. Aber wir haben normale Temperaturen (20..25°C). 10km westlich von Quorn liegt der Dutchmans Stern Conservation Park. Auf dem Weg dorthin fahren wir einen kurzen Trail und beim Fotostop sehen wir unser erstes Känguru in freier Wildbahn. Es steht ganz nah bei uns und schaut uns neugierig an. Keine Angst und können wir in Ruhe fotografieren. Wir parken das Auto auf dem offiziellen Parkplatz und entscheiden uns, einen Rundweg zu laufen.

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Alles ist perfekt ausgeschildert. Das ist auch wichtig, um sich Wasser und seine Kräfte einzuteilen. Dies haben wir übrigens in ganz Australien beobachtet. Es gibt immer und überall Schilder, die auf Gefahren und Verbote hinweisen. Wer sich nicht daran hält ist wirklich selber schuld.

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Es ist noch nicht Mittag, aber die Sonne ist erbarmungslos - wie die Bushflies. Es ist wirklich viel angenehmer, wenn man die Moskitohüte trägt. Wir laufen durch üppige, blaue Blütenfelder - in Deutschland kennen wir diese Pflanzen als Bienenfutter Büschelschön. Das Ursprungsland ist Kalifornien und Mexiko - daher auch der Name Phacelia Californian Bluebell. Entsprechend ihres Ursprungs gedeiht Phacelia auf mageren Böden und übersteht Trockenperioden ohne Probleme.
Und wir nehmen den Rat zu Herzen und treten fest und laut auf dem Boden auf. Schlangen nehmen unseren Trittschall mit ihrem Körper auf und verziehen sich dann - und es funktioniert. Mindestens einer Schlange sind wir so aus dem Weg gegangen...

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Zurück am Auto nehmen wir den Weg in Richtung Flinders Ranges - unser Ziel. Die Strassen sind sehr gerade und manchmal auch sehr eintönig ... So halten wir an fast an jedem Schild, was eine kleine Sehenswürdigkeit verspricht. Der nächste größere Stop ist dann Kanyaka Homestead Historic Site.

Hier oben ist es sehr windig und wir müssen unsere Hüte festhalten, damit sie nicht wegfliegen. Aber ohne wollen wir nicht gehen - die Bushflies sind absolut resistent gegen Wind. Kanyaka war einaml eine kleine Siedlung von Schafzüchtern. Hier kann man nachempfinden, wie schwer es damals war, unter einfachsten Bedingungen im Outback zu überleben - und zu produzieren (um zu überleben).

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Es gibt einen ausgeschilderten Rundweg (ca. 1 Stunde) vom Friedhof bis zum Wasserloch, den wir laufen. Ein paar Schafe sammeln sich um den kleinen Fluß, wir finden bizarre Felsformationen und können unzählige Kakadus in den Bäumen beobachten. Nach einem Picknick im Schatten eines großen Baumes machen wir uns wieder auf den Weg in die Flinders Ranges.

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Am Resort fahren wir erst einmal vorbei - wir wollen die sogenannte "Chinese Wall" sehen - auch hier hört die asphaltierte Strasse auf und es geht über staubige Piste hoch zum Aussichtspunkt. Man kann heranfahrende Autos schon weit an ihrer Staubwolke erkennen. Der trockene, rote Staub setzt sich überall auf die Haut und wir freuen uns schon auf eine Dusche im Resort.

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Auf dem Rückweg sehen wir ganz viele Emus, die verdammt gut getarnt am Strassenrand stehen. Die Sonne senkt sich und kurz vor Sonnenuntergang melden wir uns an der Rezeption im Resort an. Jetzt wissen wir schon (powered site) - dann können wir wenigstens die Handys aufladen und der Kühlschrank muss nicht über die Autobatterie laufen. Nach einem kurzen Erkundungsgang gehen wir duschen, machen Abendbrot und geniessen den Abendhimmel. Nach Sonnenuntergang verschwinden zum Glück auch die Bushflies. Der zunehmende Mond scheint hell und ein paar harmlose Wolken ziehen durch.

Wilpena Pound Resort
1 Wilpena Rd, Hawker SA 5434, Australia
http://www.wilpenapound.com.au


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Donnerstag, 10. Okober 2013 - Wilpena Pound -> Coward Springs (460km)

Am frühen Morgen machen wir uns wieder auf dem Weg - fahren aus dem Resort zurück auf die B83 in Richtung Leigh Creek. In diesem Ort gibt es auch heute noch eine Kohlemine - aber heute leben hier nur noch etwa 550 Einwohner. Hier machen wir eine längere Pause. Wir tanken, holen uns Bier im Bottleshop, in Liz's Open Cut Cafe kaufen wir ein paar Karten und essen einen Burger. Dann geht es weiter Richtung Maree.


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Im Roadhouse tanken wir noch einmal - auch wenn es nur 15l sind, denn auf dem Oodnadatta Track gibt es nur zwei Tankstellen (William Creek und Oodnadatta). Der Ort scheint menschenleer zu sein, es gibt ein paar alte Eisenbahnwagons und eine Lokomotive des Old Ghans, über einen großen, leeren Sandplatz fegt der Wind. Ein bisschen gespenstisch ist das schon …
Hier in Maree beginnt der Track - 617 km unbefestigte Outbackpiste. Das große Schild zeigt alle Abschnitte als "offen". Nach starken Regenfällen kann der Weg jedoch für bestimmte Fahrzeuge unpassierbar sein.


Ziemlich am Anfang des Tracks nach ca. 30km kann man bei Alberrie Creek ein paar ganz spezielle Skulpturen nicht übersehen - den Mutonia Sculpture Park. Die imposanten Skulpturen aus Stahl werden von Robin Cook gebaut, welcher zusammen mit Joe Rush die Mutoid Waste Company gegründet hat.

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Am Lake Eyre machen wir den nächsten Stopp. Das ist der größte See und mit 17 m unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt Australiens - aber seit Jahrzehnten eine 10.000 Quadratkilometer große Salzwüste. Seinen vollen Wasserstand erreicht der Lake Eyre jedoch nur drei bis vier Mal pro Jahrhundert - in den letzten 150 Jahren lief die Senke nur drei Mal komplett voll - zuletzt im Jahre 1974. Wasser erhält der See nur, wenn es in seinem von Wüsten dominierten Einzugsgebiet starke und anhaltende Regenfälle gibt. Die Luft flimmert und am Horizont kann man das weiße Salz sehen.

PS: [Januar 2016]: Der See füllt sich langsam wieder mit Wasser. Der Grund dafür sind ungewöhnlich starke Regenfälle in den Wüstengebieten nördlich des Sees.

Am Abend erreichen wir den Coward Springs Campground - ein wunderschöner, familiengeführter Campingpatz. Früher war das einmal eine Haltestelle an der alten Ghan Eisenbahnlinie. Zehn Jahre nach der Aufgabe der Bahn im Jahre 1980 wurden die alten Gebäude liebevoll rekonstruiert und hunderte einheimische Bäume neu angepflanzt. Es handelt sich um einen Campground mit Self Registration, d.h. man legt das Geld in einen entsprechend beschrifteten Umschlag und wirft es in den daür vorgesehenen Kasten ein.

Coward Springs Campground
1 Oodnadatta Track, Coward Springs SA 5710, Australia
http://www.cowardsprings.com.au


Ein weiteres Auto steht unter den Bäumen, ansonsten sind wir ganz alleine hier. Strom und Trinkwasser gibt es hier nicht - wer duschen möchte, muss vorher den Kessel anheizen, der aus zwei großen unterirdischen Regenwassertanks gespeist wird. Wir bereiten uns auf dem Gaskocher eine Nudelsuppe zu und trinken ein Bier. Nach dem Abendessen erkunden wir die Umgebung des Campingplatzes und erleben einen der schönsten Sonnenuntergänge auf unserer Tour.



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Sobald es dunkel ist, hört man auch keine Vögel mehr und es wird still in der Wüste. Nur der Wind rauscht in den Bäumen und treibt die Wolken über den Himmel - so haben wir auch heute Nacht wieder keinen richtigen Sternenhimmel :-(



Freitag, 11. Oktober - Coward Springs - William Creek - Marla (446km)

Wir werden von der Sonne und den weißen Kakadus geweckt. Nach dem Frühstück fahren wir zurück auf den Track. Der erste Stopp ist an der alten Beresford Station, schon von weitem sieht man den hohen, rostigen Wassertank. Die Station an sich ist gut erhalten, man findet ein kleines Steinhaus, Wasserpumpen und alte Eisenbahnschienen. In einem riesigen Wasserenthärter (Kennicott Water Softener) wurde das mineralische Grundwasser aufbereitet bevor es in die Boiler der Dampfloks gepumpt wurde.

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Von Irrapatana ist nicht viel übrig geblieben. Eine Ruine und ein wohl sehr beliebtes Fotomotiv - ein rostiger 1948er Ford Sedan.

Weiter geht es auf dem Track bis nach William Creek. Hier leben wieder ein paar Menschen - auch wenn es lt. letzter Volkszählung nur 6 Personen sind. Es gibt einen Campingplatz, ein Hotel nebst Tankstelle. Im Memorial Park kann man verschiedene Raketenteile besichtigen. Alle Raketen vom Typ Black Arrow wurden von Woomera (300km nördlich von WC) aus gestartet. Am 28.10.1971 startete die vorletzte Black Arrow (R3) erfolgreich ins All und brachte den Satelliten Prospero in seine Umlaufbahn. Das war der erste britische Satellit ;-) Die Überreste der ersten Triebwerkstufe wurden bei auf einer Rinderfarm in Anna Creek gefunden und hierher nach William Creek gebracht.

Duff Creek ist ein sehr breites, rotsandiges Bachbett in der Nähe der Abzweigung zur Nilpinna Station, über welches sich eine alte rostige Eisenbahnbrücke erstreckt. Ein paar Kilometer weiter befindet sich dann Edward Creek. Auch hier gibt es wieder die Überreste eines Wassertanks, den Wasserenthärter und ein paar Ruinen zu sehen - Peake Station.

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Der nächste Haltepunkt der Ghanlinie war einmal - Warrina. Aber auch hier nur noch eine Ruine und ein paar rostige Wagenteile - mehr ist nicht mehr geblieben. Ein kleines Denkmal mit Werkzeug und allerlei Krimskram erinnert an die vielleicht ehrgeizigste Expedition nach Westaustralien aller Zeiten - Sir Thomas Elder finanzierte diese Expedition, die von der Royal Geographic Society organisiert und durchgeführt wurde. David Lindsay und 13 weitere Männer nebst 44 Kamele verliessen hier die Eisenbahn am 2. Mai 1891 zu einer 6886 Kilometer langen Reise nach Westaustralien - die zwölf Monate dauern sollte.

Ziemlich imposant erhebt sich irgendwann auf der linken Seite des Tracks die Algebuckina Bridge aus der Wüste. Sie ist mit 578 m die längste Brücke des Old Ghan und wohl auch ganz Südaustraliens über den Neales River.
Neben dem ausgetrockneten Flußbett steht ein größerer Baum und spendet etwas Schatten. Hier stellen wir das Auto ab und klettern erst einmal die riesige Stahlkonstruktion hinauf. Unweit am Fuße der Brücke liegt auch wieder ein rostiges Autowrack - ein alter Holden. Der Fahrer versuchte den gefluteten Neales River über die Brücke zu überwinden und wurde vom herankommenden Zug erfasst. Das war schon ein schlechtes Timing, da normalerweise nicht mehr als 3 Züge pro Woche fuhren...

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Nach einem Picknick im Auto (wegen der Fliegen) verlassen wir lassen das trockene Flussbett und fahren zurück auf den Track. Die Landschaft wird bald ein klein wenig abwechslungsreicher - die niedrigen Hügel des Stuart Range bei Bartons' Gap.

Und irgendwann - 1000 km von Adelaide entfernt - mitten in der Wüste taucht Oodnadatta auf. Zwischen 1891 und 1929 war hier die Endstation der Great Northern Railway, was dem Städtchen zu einer kurzen Blütezeit verhalf. Das Oodnadatta Krankenhaus war das erste Australian Inland Mission Pflegeheim, eröffnet 1912 von John Flynn. Er hatte die Vision, das australische Landesinnere mit einem "Mantel der Sicherheit" zu überdecken, gründete mehrere Buschkrankenhäuser und schließlich den Royal Flying Doctor Service.

Heute leben hier ca. 280 Einwohner und Mittelpunkt ist zweifelsohne das legendäre Pink Roadhouse. Wir tanken hier zu einem stolzen Preis von 2.19 AUD/l. Klar, irgendwie muss ja der Diesel auch erst einmal hier ins Outback gebracht werden...
Das Roadhouse und alles rundherum ist - natürlich pink - aber sehr sauber und freundlich. Wir trinken eine Kaffee und schauen uns ordentlich um. Von hier sind es noch 2160km bis nach Darwin - da haben wir ja noch etwas vor uns.

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Am Nachmittag machen wir uns dann auf zur letzten Etappe - nach Marla. Die Landschaft wird wieder eintöniger und wir fahren durch ein durchdachtes Bewässerungssystem. Es gibt viele Senken, die bei Regen vollaufen und das Wasser ableiten sollen. Immer wieder finden wir hier Messleisten bis zu einem Meter hoch, damit man abschätzen kann, ob man mit dem Auto hier noch durchkommt.

Etwa 50km vor Marla werden wir bei einer kurzen Pause auf ein lautes Sirren aufmerksam. Es klingt nach dem Singen der Zikaden, verändert sich - je nachdem auf welcher Seite des Bushcampers wir hören. Schnell finden wir die wirkliche Ursache - das rechte Hinterrad lässt Luft. Da aber der Reifen noch fest ist, springen wir schnell ins Auto und versuchen noch so weit zu fahren, wie wir kommen. Aber nach etwa 10km halten wir dann doch. Da die Piste seitlich abkippt, bleiben wir mitten auf der Strasse stehen. Nur hier ist der Untergrund einigermassen fest und der Wagenheber hat einen guten Stand. Der Reifen ist schnell gewechselt und wir können weiter fahren.

Bei der Übergabe des Fahrzeuges haben wir die Versicherung erhöht um keine Selbstbeteiligung im Falle eines Schadens zahlen zu müssen. Auf die Frage, was bei einer Reifenpanne zu tun ist bekamen wir die Antwort: "Wenn irgendetwas passiert - anrufen - wir kommen und kümmern uns um alles..." - Ja - aber wie sollen wir denn in der Wüste anrufen - kein Netz - nicht einmal Radioempfang. Und vieleicht ein Auto aller 2 Stunden...?

Am Abend erreichen wir dann auch ohne weitere Zwischenfälle das Ende des Oodnadatta Tracks - das Städtchen Marla. Hier gibt es ein großes Roadhaus, ein Motel und einen Caravan Park. Erst einmal duschen!
Dann rufe ich die Britz-Hotline an und erkläre dem Operator, was passiert ist. Keine Ahnung, wo auf diesem Kontinent ich herausgekommen bin - und nach einigem Hin und Her findet er Marla - ah' - Südaustralien... Er gibt uns die Adresse der Autowerkstatt und verspricht sich dort um einen entsprechenden Ersatzreifen zu kümmern. Damit sind wir erst einmal beruhigt, kochen unser Abendbrot und trinken dann auf den Schreck im Mondschein einen ordentlichen Whisky. Alles ist gut geworden...

Marla Traveller's Rest Caravan Park
Stuart Hwy, Marla SA 5724, Australia
http://www.marla.com.au




Samstag, 12. Oktober - Marla - Ayers Rock Resort Yulara (500km)

Kurz vor 10 Uhr stehen wir bei Errol's Repair vor der Werkstatt. Natürlich hat der freundliche Operator von der Britz-Hotline nicht angerufen, aber ich erkläre geduldig alles noch einmal. Wir sollen den Reifen da lassen, er muss noch einmal kurz weg - aber in einer halben Stunde können wir den Reifen dann wieder abholen. Von Versicherung oder Britz will er nichts wissen - da soll ich mich selber darum kümmern. Also zahle ich meine 50AUD und wir können endlich weiterfahren. Ab auf den Stuart Highway....

Der Stuart Highway ist eine der wichtigsten Lebensadern in Australien - er verläuft über eine Länge von rund 2.700 km von Norden (Darwin, NT) nach Süden (Port Augusta, SA). Eigentlich wollten wir fernab dieses Highways fahren - aber wir müssen Zeit aufholen. Im Southern Territory gibt es ein Tempolimit von 110km/h - aber wir kommen schnell voran, die Straße ist meistens ewig gerade und man kann getrost die bis zu 50m langen Road-Trains überholen.

Als wir die Grenze zum Northern Territory überqueren ändert sich das Tempolimit (auf 130km/h) - und die Zeitzone. Wir können die Uhr um eine Stunde zurückdrehen :-) Den eintönigen Highway fahren wir bis Erlunda - dort biegen wir links ab. Hier befindet sich eine große Tankstelle und ein Roadhouse, wo wir erst einmal zu Mittag essen.

Der Lasseter Highway ist ein Teil des Red Centre Way und 288km lang, durchgehend asphaltiert und verläuft in Ostwest-Richtung vom Stuart Highway in Richtung Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark. Man kann sich vorstellen, dass hier fast alle Autos und Busse entlang fahren, die zum Ayers Rock unterwegs sind - dementsprechend gut ausgebaut ist diese Zufahrt in den Nationalpark. Aber auch die Vegetation und die Farben ändern sich schnell. Irgendwann auf dem Oodnadatta Track habe ich gedacht - erstaunlich, dieses Rot. Aber es wird noch roter. Es wird unglaublich roter, oranger und rostbraun. Eine faszinierende Palette von Rottönen und dazu ein blauer Himmel, fast unwirkliche Farben - wir sind wirklich im Red Centre von Australien angekommen...

Unterwegs tanken wir noch einmal in Curtin Springs. Und hier bezahlen wir 2.20 AUD/l. Ordentlicher Preis! Drei Zapfsäulen stehen verlassen und abgeschlossen auf einem weitem Areal. Ein junger Mann kommt aber schnell zu uns herüber, schliesst ab und betankt unser Auto. Wir kommen ins Gespräch und nach wenigen Sätzen wechseln wir ins Deutsche - er arbeitet hier auf Work&Travel Basis. Als wir zurück ins Roadhouse gehen, bittet er mich wieder ins Englische zu wechseln - die Betreiber mögen es nicht, wenn er deutsch mit den Touristen spricht. No problem ...

Und weiter geht es in Richtung Uluru - und irgendwann taucht er in der Ferne auf. Es ist schon ein komisches Gefühl, was jetzt aufkommt. Irgendwie ist dieser Felsen doch der Inbegriff für Australien - und jetzt sind wir hier - und er ist so nah. Wir sind am Ziel - nein - eigentlich ist der ganze Weg das Ziel. Aber das ist doch ein kleiner Höhepunkt (irgendwie). Ich kann es schlecht erklären, wenn man den Uluru zum ersten Mal in seiner ganzen Größe sieht - er ist doch größer, als ich ihn mir vorgestellt habe. Und magisch...

Es gibt einige gute Aussichtspunkte, aber wer näher heran möchte, muss in den Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark fahren. Das 3-Tages-Permit kosten 25AUD und berechtigt zum Befahren des Nationalparks zwischen 5 und 21 Uhr (je nach Jahreszeit). Es gibt sehr strenge Regeln, die man auch wirklich beachten sollte... Die Strafen sind (wie eigentlich überall in Australien) sehr hoch. Es gibt einen ganzen Katalog - so wird z.B. das Mitnehmen von Bodenmaterial mit 5.500 AUD geahndet. Ein großer Teil der Straße am Uluru an der Sonnenuntergangsseite gehört zu den Halteverbotszonen - unerlaubtes Parken oder Anhalten kostet 330 AUD.

Also kaufen wir den Pass und beschließen, erst einmal die Kata-Tjutas zu besichtigen. Die ca. 550 Millionen Jahre alten Berge wurden von ihrem europäischen Entdecker Ernest Giles 1872 nach der Königin Olga von Württemberg die "Olgas" benannt. Diese 36 Felsendome heißen in der Sprache der Anangu "viele Köpfe". Ihnen wird Schöpfungskraft aus der Traumzeit zugesprochen.

Zunächst fahren wir zur Sunrise Viewing Area und geniessen die Aussicht. Erstaunliche, fast unwirkliche Farben können wir hier erleben.

Dann fahren wir zur Sunset Viewing Area und wollen auf den Sonnenuntergang warten. Natürlich erkunden wir erst einmal zu Fuß die nähere Umgebung und schon bald merken wir, dass sich der Parkplatz langsam füllt. Ein paar Busse kommen, Wein und andere Erfrischungen werden für die Reisegruppen aufgetischt - wir stellen uns ein bisschen abseits und warten auf den Sonnenuntergang.

Und dann ist es soweit, die Bergkuppen ändern ihre Farbe von einem blassen hellrosa in ein intensiv leuchtendes Rotviolett. Die weißen Wolken am dunkelblauen Himmel bieten für zwei oder drei Minuten ein grandioses Gegenspiel der Farben. Überwältigend.

Als die Sonne tiefer am Horizont sinkt, kehrt die blasse Farbe zurück. Und auch wir machen uns zügig auf den Weg zurück - wir müssen ja noch auf dem Campingplatz einchecken. Mit den letzten Sonnenstrahlen verlassen wir den Nationalpark und fahren ins Resort. Die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt - wir melden uns gegen 21 Uhr an und fahren dann auf unseren Stellplatz. Der Mond scheint schon ziemlich hell und wir gehen erst einmal unter die Dusche.

Ayers Rock Campground - Ayers Rock Resort
Ayers Rock Campground - Ayers Rock Resort
https://www.ayersrockresort.com.au/accommodation/ayers-rock-campground


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