Auf Räubertour im Odenwald II

Waldbrunn, die waldreiche Gemeinde im südlichen Odenwald, besteht heute aus den sechs Ortschaften Strümpfelbrunn, Waldkatzenbach, Mülben, Schollbrunn, Oberdielbach, Weisbach und die beiden Weiler Ober- und Unterhöllgrund. Der Naturraum Waldbrunns ist durch eine ausgedehnte Buntsandstein-Hochfläche gekennzeichnet, die von tiefeingeschnittenen Tälern mit herrlichen Bachläufen unterteilt wird. Mit 626 Metern Höhe überragt der Katzenbuckel, höchster Berg des Odenwaldes, die Hochfläche und ermöglicht einen faszinierenden Panoramablick.

200 Jahre zurück - nach der Zerschlagung der rechtsrheinischen Schinderhannesbande finden sich viele Räuber hier im Odenwald wieder zusammen und verstärken die etwa 150 Mitglieder zählende, immer wieder auseinanderlaufende und zusammenfindende Odenwälder Bande. Ihr Anführer - der „Hölzerlips». In dieser Gegend begingen sie viele Straftaten, anfangs oft nur Diebereien, um satt zu werden. Mit der Zeit aber wurden die Überfälle immer schwerer und dreister.

Auch «Schinderhannes» selbst soll zeitweise in der Höhle gehaust haben. Er soll sogar in der Nähe 400 Gulden vergraben habe - gefunden wurden sie aber nie.

Der Raum Mülben, Höllgrund, Reisenbacher Grund und Galmbach war eines dieser Schlupfwinkelgebiete, in dem auch das aufgesuchte imposante Felsenhaus liegt. Die oberirdische Höhle aus Sandsteinquader ist inzwischen eingefallen (oder zerstört). Von hier aus starteten sechs Bandenmitglieder unter Hölzerlips am 28. April 1811 zu einem Raubüberfall an die Bergstraße.

Auch der «Köhler-Andres» nahm in der Nacht zum 1. Mai 1811 an dem Raubüberfall der Bande von Georg Philipp Lang («Hölzerlips») auf eine Postkutsche zwischen Laudenbach und Hemsbach an der Bergstraße im Großherzogtum Baden teil. An diesem Verbrechen waren außer dem «Hölzerlips» und «Köhler-Andres» auch Andreas Frank (der «lange Andres»), der in Kopenhagen gebürtige Philipp Friederich Schütz («Manne Friederich»), der aus Ramstal bei Fulda stammende Veit Krähmer und Sebastian Lutz («Basti») aus Neckargerach beteiligt. Vor dieser Tat hatten die sechs Räuber am 29. April 1811 den geplanten Überfall auf eine andere Kutsche abgebrochen, weil dieser unerwartet eine zweite folgte. Der «Hölzerlips» hielt sich und seine fünf Kumpane nicht für stark genug, um zwei Kutschen gleichzeitig anzugreifen. Die beiden Reisenden, zwei Schweizer Kaufleute namens Hanhart und Rieder, wurden im Schlaf von dem Überfall überrascht. Sie erwachten erst, als die Räuber mit ihren Prügeln auf die Kutsche schlugen, um die Insassen in Furcht und Schrecken zu versetzen und zum Herausspringen zu bewegen. Als die Kaufleute aus der Kutsche sprangen, erhielt jeder von ihnen auf der Straße einen so heftigen Schlag auf den Kopf, dass er betäubt zu Boden stürzte. Nach dem Überfall auf die Postkutsche im Odenwald kam es zu einer grenzüberschreitenden Fahndung in Baden und Hessen, in deren Verlauf der «Hölzerlips» und der Kern der Bande sowie viele andere Gauner gefangen genommen wurden. Hölzerlips wurde am 31. Juli 1812 mit drei weiteren Kumpanen in Heidelberg auf dem Marktplatz durch das Schwert hingerichtet.