Laphroaig

Es sind schon 5 oder 6 Jahre her, da bekam ich zu Weihnachten eine Flasche Laphroaig 10yr geschenkt. Als ich die Flasche dann am Abend öffnete und mir ein Glas einschenkte, meinten meine Kinder "iiihhh, das stinkt. So was kann man doch nicht trinken." Doch - man kann. Der Geruch verbreitet sich im ganzen Raum und hängt einem ja förmlich in der Nase. Und dieser Geruch hat sich tief eingeprägt. Ich brauche nur die Augen zu schließen und an den Laphroaig zu denken - da findet man Jod, Leder, Teer und Phenol. Jetzt mag sich mancher denken - und was hat das mit Whisky zu tun und warum in aller Welt trinkt man etwas, was nach Krankenhaus und Verbandszeug riecht???

Und genau an diesem Punkt scheiden sich die Lager. Der alte Werbespruch "You love it or you hate it" trennt die Liebhaber der schwach getorften Speysides von den seebärigen Islay Malts. Die Reifung in Bourbon-Fässern mitten im rauen Klima der Insel verleiht dem Whisky seine Andersartigkeit.

Schließe die Augen und probiere einen kleinen Schluck: die Wellen klatschen an die Steine in der Bucht, die Gischt spritz hoch. Bei hohem Wellengang werden die Lagerhäuser vom Wasser umspült. Man spürt den bissigen Rauch des Torfes, die salzige Seeluft und die kreischenden Möwen. Es riecht nach Öl, Teer und frischer Farbe der bunten Fischerboote. Das ist Schottland aus dem Bilderbuch. Schlucke ihn herunter und ein Feuer beginnt zu brennen. Dunkelrote Flammen züngeln, es knistert und mit lautem Knacken zerspringt das glühende Holz. Dieser Geschmack im Mund hält die nächsten Stunden an und wird sich im Gedächtnis einprägen.