Berchtesgaden - Oktober 2005

Der Herbst ist die ideale Zeit für Bergwanderungen und Bergtouren. Das Wetter ist beständig und die Fernsicht ist ideal. Nach einigen Jahren in der Oberau haben wir uns dieses Jahr für Vordergern (Rabensteinweg) entschieden. Von hier oben, in 850m Höhe, blickt man auf den ganzen Talkessel, indem sich am Herbstmorgen der Nebel sammelt. Das geografische und ursprüngliche Zentrum des Berchtesgadener Talkessels ist der Markt Berchtesgaden.

Der Überlieferung nach wurde auf dem Platz des heutigen Kreuzgangs der Stiftskirche das erste Gebäude des Augustiner-Klosters errichtet. Umringt von den vier Gemeinden Bischofswiesen, Ramsau, Schönau am Königssee und Marktschellenberg ist dies der innere Landkreis bzw. der Berchtesgadener Land.

Seltene Pflanzen, Murmeltier, Gams und Steinbock haben im Nationalpark ihr Refugium. Mit etwas Glück kann man beobachten, wie der Steinadler in luftiger Höhe seine Bahnen zieht.

Ende des 19. Jahrhunderts besuchten nicht nur die bayrischen Könige Berchtesgaden und seine Sehenswürdigkeiten, sondern auch Künstler, Industrielle und Schriftsteller wie Ludwig Ganghofer, Prof. Linde oder Siegmund Freud sorgten für die ersten Anfänge des Tourismus, der sich schnell zu einem weiteren Standbein neben dem Salzabbau und dem Holzhandwerk entwickelte. Nach dem 2. Weltkrieg wollte Berchtesgaden natürlich an die Erfolge im Tourismus vor dem Krieg anknüpfen. Sehr mutige und pompöse Ideen aus der Vorkriegszeit wie etwa der Bau einer "Watzmann-Seilbahn" wurden nicht mehr weiter verfolgt. Im April 1949 wurde die Berchtesgadener Bergbahn GmbH gegründet und der Baubeginn der Seilbahn vom Markt Berchtesgaden auf den Obersalzberg kam in greifbare Nähe. Die Obersalzbergbahn entspricht heute noch vom Konzept her der Bahn, die 1950 gebaut worden ist. So besteht die Bahn aus zwei Gondelpaaren. Das eine Gondelpaar fährt von der Tal- zur Mittelstation und das zweite von der Mittel- zur Bergstation. Somit müssen die Mitfahrer bei der Mittelstation umsteigen.

Auch für weniger Geübte ist eine Wanderung von Maria Gern auf die Kneifelspitze (1.189 Meter) zu empfehlen. Die eher unscheinbare Waldkuppe steht im Zentrum des Berchtesgadener Talkessels und bietet eine perfekte Rundsicht auf die Berchtesgadener Gipfelwelt mit Untersberg, Hohem Göll, Hohem Brett, Steinernem Meer, Watzmann und Hochkalter. Am höchsten Punkt des beliebten, weil leicht zu erreichenden Ganzjahresziels steht zudem ein Gasthaus.

Sowohl im Sommer als auch im Winter ist der 2276 Meter hohe Schneibstein eines der lohnenswerten Ziele. Er ist ein leichter Zweitausender. Vom Parkplatz Hinterbrand gehts zuerst Richtung Mittelstation - links am Rande der Skipiste über die Mitterkaseralm zum Jennersattel oder außen herum in Richtung Königsbachalm. Dem Fußweg entlang gehts zum Schneibsteinhaus rechts und zum Stahlhaus links. Man kann sich aber auch den knapp 900 m Aufstieg ersparen und nimmt die Jennerbahn. Vom Torrener Joch südwärts über gestufte Rücken zu einer Grube, dann steil rechts hinauf und zuletzt über den breiten Westrücken zum Gipfel.

Der Königssee liegt eingebettet in den Bergen des Berchtesgadener Nationalparks unterhalb des Watzmanns. Sein Wasser schimmert smaragdgrün und verleiht ihm somit diesen unverwechselbaren Flair, der Jahr für Jahr die Touristen bei einer Fahrt über den See begeistert. Nach ca. der Hälfte erreicht man die Wallfahrtskirche St. Bartholomä, das ehemalige Jagdschloss der bayerischen Könige und Ausgangspunkt zahlreicher Bergtouren. Von hier aus erreicht man unter anderem die Watzmann Ostwand und die Eiskapelle. Bedingt durch seine Lage und Tiefe ist der Königssee mit seiner smaragdgrünen Farbe einer der eindruckvollsten Seen in Bayern.

Der Untersberg trennt Berchtesgaden und Salzburg. Durch seine Steinbeschaffenheit ist er sehr höhlenreich und bietet mit dem Berchtesgadener Hochtron einen der Ausblicke auf die bayerische und österreichische Bergwelt. Eine Vielzahl von Wanderwegen erschließen den Untersberg. Parkt man in Marktschellenberg und Wandert über die Toni Lenz Hütte gelangt man zur Eishöhle. Die Schellenberger Eishöhle ist die einzige und größte erschlossene Eisschauhöhle Deutschlands und liegt auf 1570 m über dem Meer. Der Eingang war den Sennern und Jägern wohl schon lange bekannt. Es gibt eine Geschichte, Hüterbuben hätten eine Schafherde verfolgt, die sich in den Schatten der Eingangsöffnung zurückgezogen hätten, und so den Eingang entdeckt.