Landschaften
Friedlich plätschernde Bäche, endlose Weiden, zerklüftete Berglandschaften, tropische Inseln: Was die Natur an fantastischen Szenerien zu bieten hat, ist einfach unglaublich. Es gibt kaum etwas Schöneres, als mit dabei zu sein, wenn die Sonne hinter einer fernen Hügelkette verschwindet oder wenn die Wellen an einer felsigen Küste emporschlagen. Solche Momente mit der Kamera festzuhalten, kann allerdings zu einer sehr schwierigen und zeitraubenden Angelegenheit werden. Nicht selten wirken die Aufnahmen wie platte, langweilige Postkarten, die nichts von dem grandiosen Naturschauspiel wiedergeben.
Versuchen Sie bei Landschaftsaufnahmen, sich in die Perspektive Ihrer Kamera hineinzuversetzen. Ganz gleich, wie leistungsstark die Weitwinkelfunktion des Objektivs auch sein mag - eine grandiose Landschaft lässt sich einfach nicht mit einem einzigen Bild festhalten. Konzentrieren Sie sich deshalb auf die Abschnitte der Szenerie, die visuell das Meiste zu bieten haben - etwa eine reizvolle Wolkenformation oder die "stacheligen" Wipfel eines kleinen Wäldchens. Wichtiger Grundsatz: Verhindern Sie, dass der Horizont Ihr Bild in zwei gleiche Hälften teilt. Vielmehr sollte der Horizont entweder das obere oder das untere Drittel des Bildes begrenzen - je nachdem, ob Sie den Schwerpunkt auf den Himmel oder auf die Landschaft legen. Diese so genannte Drittelregel gilt in gleicher Weise für die vertikale Aufteilung des Fotos. Denn wenn Sie eine Landschaft fotografieren wollen, empfiehlt es sich, ein Objekt im Vordergrund zu finden, das Ihre Aufnahme interessanter machen könnte (z.B. einen Baum, ein Schild oder einen Felsen). Auch dieser Gegenstand sollte das Bild im Verhältnis 2 : 1 teilen, aber das eigentliche Landschaftsmotiv selbstverständlich nicht beeinträchtigen.
Wer mit offenem Mund vor einem tosenden Wasserfall oder einer steilen Klippe steht, neigt leicht dazu, den Rest der Landschaft zu ignorieren. Fotos, die ein starkes zentrales Motiv haben, gewinnen häufig noch zusätzlich, wenn man beispielsweise eine Straße, einen Fluss oder einen Pfad mit in die Aufnahme integriert. Teiche und Seen wirken wie Spiegel, die Gebäude oder Berge am entfernten Ufer im wahrsten Sinne des Wortes doppelt zur Geltung kommen lassen. Wenn Sie direkt am Wasser in die Hocke gehen, können Sie die Reflexionswirkung sogar noch verstärken - und Sie haben die Möglichkeit, den Bildrand mit schönen Blumen und Pflanzen noch attraktiver zu gestalten. Wenn Sie sich an einem Gewässer befinden, vergewissern Sie sich, wo die Sonne gerade steht. Oft genügt ein kurzer Spaziergang am Ufer entlang, um fantastische Motive zu entdecken. Denken Sie an das verträumte Licht eines Sonnenuntergangs, das romantisch durch Blüten und Blätter fällt...
Für die meisten Landschaftsaufnahmen ist eine kleine Blende (f8 oder höher) zu empfehlen, um Vordergrund und Hintergrund gleichermaßen scharf zu halten. Falls die Kamera über die Funktion Blendenpriorität verfügt, kann man diese Einstellung manuell vornehmen. Bei einfacheren Kameras wählt man den vorgegebenen Landschaftsmodus aus. Wenn man die Möglichkeit hat, Bilder später am PC zu bearbeiten, kann man über eine höhere Farbsättigung für noch kräftigeres Grün bei Pflanzen und noch tieferes Blau am Himmel zu sorgen. Durch zusätzliche Schärfe lassen sich Details an Bäumen und Bergen optimal herausarbeiten. Für die Lichtempfindlichkeit sollte man möglichst die niedrigste Einstellung (also ISO 50 oder ISO 100) verwenden. So werden die Farben brillanter und die Körnigkeit (Rauschen) der Fotos wird reduziert.
Die Natur verhält sich oft schwer vorhersehbar. Trotzdem gibt es einige wichtige Grundregeln. Schon der Blick auf den Kalender zeigt, ob man mit Frühlingsblumen in schönster Blüte oder mit üppig-grünen Sommerwiesen rechnen kann. Noch wichtiger ist eine zuverlässige Wettervorhersage - wobei das Islandtief noch lange kein Grund ist, zu Hause zu bleiben. Ganz im Gegenteil: Wasserfälle und Flüsse werden im Sturm erst richtig interessant. Blumen wirken an bewölkten Tagen oft besonders farbenfroh. Der Lauf des Tages - vom nebligen Morgen bis zur sternenklaren Nacht - lässt auch die Natur immer wieder in einem neuen Licht erscheinen. Da kann es durchaus vorkommen, dass Motive, die in der prallen Mittagssonne relativ hart wirken, in der Abenddämmerung faszinierend weiche, dezente Konturen erhalten.
Man vergisst sehr leicht, wie viel Leben in einer Landschaft steckt.
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